| 
de
 | 
 | 

FAQ


The Knot – der Knoten, das Knäuel, Schlaufe, Seemeile – welche losen Enden werden denn in eurem Projekt miteinander verknüpft?

Aus der Schiffahrt ist der Knoten bekannt als Einheit für die Geschwindigkeit zu Wasser, ebenso gibt es viele Varianten der Segelknoten, der unauflösbaren, wie schnelllösenden. Ebenso in Sprichwörtern taucht der Knoten auf als „Knoten im Hals“, im Taschentuch oder auch als der gordische Knoten“. Das englische Wort bedeutet übersetzt darüber hinaus Knäuel, Schlaufe, Seemeile. Die englische Ausprache lässt aber auch die Bedeutung des Nicht-Seins anklingen: „The Not“, das den ephemeren Charakter des Projektes Ausdruck verleiht. Im Polnischen hat das Wort „knot“ die Bedeutung von „fehlschlagen“ und Anzündschnur . Im Sinne dieser Bedeutungsfelder sehen wir unser Projekt als Verknüpfung verschiedener Ebenen: die Verknüpfung mit dem urbanen Kontext, in dem sich das Projekt platziert, die Verlinkung von verschiedenen Organisationen, Menschen und Künstlern, als Plattform für mögliche oder unwahrscheinliche Verbindungen, eine Verdichtung, Schlaufe in der Narration, Kurzweil und potentieller Zündfunke.

Was will „The Knot“ in einer Stadt wie Berlin, in der ja schon unzählige Kulturbetriebe und Kunsträume etabliert sind?

Das interessante in Berlin ist die stete Veränderung der Stadt, denn Stadt ist keine Einheit sondern ein Prozess. Mehr als 20 Jahre Transformation scheinen sich gerade zu verlangsamen, die Freiräume verlagern sich, schrumpfen, die berühmte Nische verschwindet sukzessive. Etablierung oder besser Verstetigung wäre die Devise, dennoch, auch nach Jahren der kontinuierlichen Arbeiten sind viele Kulturbetriebe und Kunsträume von ihrer Organisation eher Projekte denn Institutionen. The Knot, als Projekt, hat das Potential eine neutrale Plattform für einen Teil dieser Initiativen zu bilden, Möglichkeitsräume aufzuzeigen und wieder zu verschwinden in der Hoffnung, dass das Netzwerk stärker wird, was es hinterlässt und so einen Beitrag zur Perspektivierung einer Struktur auf tönernen Füßen beizutragen. 

 

Was erwartet ihr von den Aufenthalten in Warschau und Bukarest im Vergleich zu Berlin?

Jede dieser Städte stellt sich unterschiedlichen Herausforderungen. Berlin, dessen Rettungsanker seine äußerst aktive Kulturszene ist, Warschau, dessen Motor der Wille zum ökonomischen Erfolg ist und Bukarest, eine Stadt, die als diverse Melange bezeichnet werden könnte, immer den historischen Bedingungen unterworfen und leidend an der Differenz zwischen geordneter europäischer Stadt und Bazar-Mentalität vor dem Hintergrund einer recht schwierigen teils pessimistischen Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit. Wir erwarten vor diesen divergierenden Hintergründen neue Perspektiven zu entwickeln, die sich dem starren, determinierenden entziehen und Chancen in der Dynamik und Veränderlichkeit suchen. Gleichzeitig interessiert uns die Frage, wie unterschiedlich Öffentlichkeit in den drei Städten verstanden und weiterentwickelt werden kann. 

 

Wie fügt sich „The Knot“ in den großen Rahmen von „The Promised City“?

The Knot untersucht indirekt die Modelle, mit denen die verschiedenen Städte versuchen mit ihrer existierenden aber auch imaginierten Geschichte eine hoffnungsvolle Zukunft zu entwickeln. Für wen, warum und mit wem soll es wirklich gehen? Alle Städte unterwerfen sich dem kapitalistischen Entwurf des wirtschaftlichen Wachstums, wobei Berlin nach dem Wegfall von Industrie und produzierendem Gewerbe auf Kultur setzt, Warschau als Zentralort der polnischen Wirtschaft, sich den globalen Wirtschaftsakteuren anzubieten versucht, und Bukarest seine Vision noch nicht gefunden zu haben scheint, zu mannigfaltig sind die Erbschaften aus der Vergangenheit. The KNOT sucht nach Imaginationen von Stadt, nicht primär als Analyse des bestehenden, sondern als freudvolle Vorstellung von Zukunft, gibt sich dem Traum ihrer Machbarkeit durch Machen hin.

 

Ihr habt von „The Knot“ einmal als „work-in-progress“-Projekt gesprochen – worauf seid ihr in den kommenden Monaten besonders gespannt? 

The Knot hat die Qualität eines Stolpersteins im positiven Sinn. Es ist ein Zufall, eine überraschende Präsenz im Öffentlichen, ein gefundener Treffpunkt. Gleichzeitig ist es der Ort, an dem Künstler und andere Spezialisten arbeiten.Das öffentliche Arbeiten kann Kommunikationsschnittstellen zu interessierten eröffnen und zu Kooperationen und Querverbindungen einladen. Wir erwarten durch den „work in progress“ Stil eine größere Chance für zwischenmenschliche Begegnungen, für vielfältige kleinmaßstäbliche Ereignisse, die sich nicht planen lassen. Das Machen entfaltet seine eigene Energie.